Bestandsaufnahme oder wie alles begann

Natürlich könnte man an dieser Stelle in der Kindheit anfangen, mit der Liebe der Mutter zur Natur, mit den Prügeleien mit Nachbarsjungen, weil sie den Molchen aus dem Dorfweiher die Beine abgeschnitten hatten, mit der Terrasse in der Stadtwohnung, die so voller Blumen, Kräuter und Gemüse war, dass wir fast keinen Sitzplatz mehr darauf fanden, mit der Fortbildung zum „Naturgartenprofi“ (https://www.naturgarten.org/aktivitaeten/profi-lehrgang.html) und später zur Geprüften Natur- und Landschaftspflegerin (https://www.stmelf.bayern.de/berufsbildung/berufe/004007/).

Aber wirklich begonnen hat alles im Jahr 2018, mit der Gründung von Landstreich und dem Umzug auf das Stück Land, dass wir erworben haben.

Bestandsaufnahme…

Zunächst haben wir so viele Informationen wie möglich zusammengetragen und beobachtet; Die Betriebsfläche liegt auf ca. 460 Meter Höhe und ist umgeben von Wald, nur im Nord-Osten schließt – hinter einer schmalen Landstraße – ein Acker an.

In Sichtweite (über das Tal der schwarzen Laaber hinweg) befindet sich der „Jurasteig“; Eine eher raue Landschaft, die von eindrucksvollen Kalkfelsen überzogen ist. Es regnet wenig (jährliche Niederschlagsmenge 750 Liter), die mittlere jährliche Lufttemperatur beträgt 9 °C (beide Messungen stammen aus dem Zeitraum 1971-2000, die „Jahrhundertsommer“ 2003 und 2018 und das extrem trockene Frühjahr 2020 sind hier also nicht erfasst).

Rund um Regensburg treffen 3 Naturräume aufeinander; Das Unterbayerische Hügelland mit den Isar-Inn Schotterplatten, der Oberpfälzer und Bayerische Wald und die Fränkische Alb, wir befinden uns gerade noch in letzterer.

Das Grundstück besteht aus 1,5 ha Mischwald und 0,5 ha „Acker“. Obwohl wir uns im kalkreichen Naturraum „Fränkische Alb“ befinden, ist der Boden in den meisten Bereichen des Grundstücks lehmig und die vielen Wildblumen und Sträucher, die in den lichteren Waldbereichen wachsen, sprechen für einen eher sauren Standort.

Der Acker war, bevor wir ihn übernommen haben, über 10 Jahre lang als sogenannte Brache bewirtschaftet worden. Das heißt: Der Aufwuchs wurde jährlich gemulcht und liegen gelassen, was zur Folge hatte, dass auf den 0,5 ha nur noch sehr wenige Pflanzen überleben konnten: Diverse Gräser, vor allem Quecke und Wolliges Honiggras, Stumpfblättriger Ampfer, Ackerkratzdistel und Brombeere. Arnika, die hier laut unseres Nachbarn früher noch wuchs, ist jedenfalls weit und breit nicht zu sehen, nur ein paar wenige Wiesenglockenblumen haben tapfer überlebt.

Fazit: Das Mulchen von Flächen führt in der Regel zu Artenarmut und weniger Blüten, da durch die dicke Mulchschicht, die im Laufe der Zeit entsteht, nur noch wenige Pflanzen hindurchdringen können.

Unsere erste Maßnahme bestand also darin, den Aufwuchs des „Ackers“ mähen und vor allem abtransportieren zu lassen und auch die jahrelang angehäufte Mulchschicht haben wir so gut es geht mit dem Rechen entfernt. Dann haben wir die Hälfte des „Ackers“ gepflügt und Gründünger eingesät, um den Boden für unsere Schnittblumen vorzubereiten. Da wir keine chemisch-synthetischen Produktionsmittel einsetzen, kämpfen wir seitdem per Hand vor allem gegen den Stumpfblättrigen Ampfer, dessen Strategie und Durchsetzungskraft ehrlich gesagt bewundernswert ist.

Die andere Hälfte des „Ackers“ haben wir zu einer Streuobstwiese umfunktioniert, indem wir diverse Obstbäume und eine Hecke aus Schlehe, Holunder und Haselnuss gepflanzt haben. (Rund um die Gehölze hat die dicke Mulchschicht übrigens ihre Berechtigung – so haben alle den „Jahrhundertsommer 2018“ überlebt). An dieser Stelle ein dickes Danke an Familie und Freunde/Freundinnen, die immer wieder kommen und mithelfen!

Im Jahr 2019 haben wir uns 4 Ouessant-Schafe angeschafft, für die Pflege der Streuobstwiese und als Düngerlieferanten für unseren Anbau, Wildblumensaatgut ausgebracht, Blumenzwiebeln gesetzt und noch mehr Stauden gepflanzt, dazu Rosen, Sanddorn, Berberitzen und diverse Kletterpflanzen.  Wir haben unsere ersten Sträuße verkauft und Wildblumen auf ihre Schnitttauglichkeit hin getestet.

Im Jahr 2020 kam ein Gewächshaus hinzu und wieder unendlich viele Stauden und natürlich haben wir einjährige Schnittblumen ausgesät. Die meisten davon haben das extrem trockene Frühjahr überstanden und starten nun, nach ausgiebigem Regen, endlich durch.

Miriam Distler

Hallo, ich bin Miriam, eine der Gründerinnen von landstreich und Geprüfte Natur- und Landschaftspflegerin. Hier findest du alle 14 Tage neue Beiträge rund um die Themen Gärtnern, Landwirtschaft und Naturschutz und natürlich Einblicke hinter die Kulissen von landstreich.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Michael Eichhorn

    Habe heute am Markt zum ersten Mal von Euch erfahren mit Prospekt und Karte. Vielen Dank! Mit wachsender Begeisterung habe ich die Bilder der website und die Texte studiert. Für mich ist auch viel Nostalgie dabei, weil ich wieder sehe, wieviel Naturschönheit seit meiner Kindheit verloren ging. Weiter viel Freude und Erfolg bei der Arbeit!

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