Wildblumen

Heute möchte ich das Thema Wildblumen umkreisen und erklären, warum landstreich sich schwerpunktmäßig auf deren Anbau konzentriert.

Wenn Fachleute über Wildblumen reden, reden sie meist von „autochthonen Pflanzen“. Damit sind Pflanzen gemeint, die vor der Entdeckung – bzw. der Invasion – des amerikanischen Kontinents (und dem damit einsetzenden weltweiten Handel) in den jeweiligen Regionen dieser Erde natürlicher Weise vorkamen – ohne Zutun des Menschen.

Leider nutzen Nationalisten die Thematik häufig für ihre Zwecke – die Sprache, mit der die „heimischen“ und demgegenüber „gebietsfremden“, „fremdländischen“ oder gar „invasiven“ Pflanzen belegt werden, bietet sich dafür ja auch hervorragend an.

Mir und damit landstreich geht es definitiv nicht darum, dass „unsere“ autochthonen Pflanzen die Krone der Schöpfung sind und bis aufs Messer verteidigt werden müssen gegen die „fremdländischen Invasoren“. Jede Art des Nationalismus ist uns fremd. Wir leben aber nun mal in Mitteleuropa und deshalb begrenzen sich unsere Kenntnisse und unser Wirkungskreis auch auf dieses Gebiet. Außerdem sind wir der Überzeugung, dass eigentlich in jedem Bereich lokale, eher kleinteilige Lösungen in Zeiten des Klimawandels und sozialer Verwerfungen gefragt sind. 

Ein Aspekt der Konzentration auf die Wildpflanzen ist das Insektensterben. Schmetterlinge, Nachtfalter, Honig- und Wildbienen, Schwebfliegen und diverse Käfer brauchen Blüten! Die meisten von ihnen sind sogar auf einige wenige Blüten spezialisiert. Und gerade diese „Spezialisten“ brauchen regionale Wildblumen. Für sie reicht es nicht, eine x-beliebige Blumenmischung auszusäen, wie es derzeit groß in Mode ist. Von den meisten „Blumenwiesenmischungen“ profitieren ausschließlich die Honigbienen und die Hummeln, weil sie sogenannte „Generalisten“ sind.

Natürlich brauchen die Insekten – wie wir alle – vor allem eines: das die Verwendung von Insektiziden und Pestiziden endlich aufhört. Aber das ist ein anderes Thema.

Die Natur funktioniert in Kreisläufen und Abhängigkeiten. Wenn also die Insekten sterben und immer weniger werden, sterben auch die Vögel, weil sie keine Nahrung mehr finden, um ihre Jungen aufzuziehen.

Ein „stummer Frühling“ ist die Folge, vor dem ich persönlich sehr viel größere Angst habe also vor einer Krankheit wie Corona. Rachel Carlson hat diesen „stummen Frühling“ schon 1962 (!!!!!) beschrieben.

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_stumme_Fr%C3%BChling

Aber es geht mir gar nicht nur um das „große Ganze“; In meiner Kindheit und selbst noch als junge Erwachsene wollte ich immer irgendwo anders sein, nur nicht in Deutschland. Die aufgeräumte, überdüngte, saftig-grüne Natur, die gefüllten, riesigen Blüten in den Gärten, die von keinem Insekt umschwirrt wurden, waren mir ein Graus. Wilde Ecken, Heidelandschaften und blütenreiche Wiesen, die einen zum Atmen bringen, waren schon in meiner Kindheit auf kleine Restflächen zusammengeschnurrt. Aber je mehr ich mich mit Wildblumen beschäftige, mit ihren Überlebensstrategien, Eigenheiten und Bedürfnissen, desto mehr sehe ich sie auch. Viele von ihnen sind klein oder bleiben klein, weil sie sich erstmal durch den Beton kämpfen müssen. Viele von ihnen sind vom Aussterben bedroht. Ihre Schönheit ist elegant, würdevoll, zurückhaltend, leise. Sie machen sich nicht mit lautem Gebrüll bemerkbar. 

Wildblumen haben mir ein Zuhause gegeben, weil sie mich buchstäblich mit dem Flecken Erde, auf dem ich geboren wurde, verwurzelt haben. Und darum gilt ihnen meine und landstreichs Liebe und Aufmerksamkeit.

Miriam Distler

Hallo, ich bin Miriam, eine der Gründerinnen von landstreich und Geprüfte Natur- und Landschaftspflegerin. Hier findest du alle 14 Tage neue Beiträge rund um die Themen Gärtnern, Landwirtschaft und Naturschutz und natürlich Einblicke hinter die Kulissen von landstreich.

Schreibe einen Kommentar